So titelte Anne Kunz am 11.01.2016 in DIE WELT

Das klingt vielversprechend, doch leider liefert sie dazu keine fundierte Abhandlung, sondern lediglich eine Rangliste, die von der Firma softfair analyse GmbH erstellt wurde. Und worauf sich diese Auswertung stützt, wird irgendwo mitten im Text mit gerade mal 2 Sätzen beschrieben. 

Somit kann der geneigte Leser den Eindruck gewinnen, dass Frau Kunz ein wenig das Thema verfehlt hat, denn ansonsten befasst sie sich mit möglichen Gründen für Beitragssteigerungen.

 

Steigende Gesundheitskosten

Machen die Krankenkassen zu tickenden Zeitbomben!? Diese reißerische Aussage erscheint uns doch ein wenig überzogen. Obwohl die Kostenentwicklung gepaart mit steigender Lebenserwartung natürlich an keiner Krankenversicherung, ob nun gesetzlich oder privat, spurlos vorbeigeht.

Fakt ist aber auch, dass für die Beitragsentwicklung einer Privaten Krankenversicherung noch weitere Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Letzten Endes ist entscheidend, wie solide das einzelne Unternehmen kalkuliert. 

Daher rät Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale NRW wahrscheinlich nicht von ungefähr: "Verbraucher sollten nicht das billigste Angebot wählen. Sehr günstige junge Tarife laufen Gefahr, dass sie zu knapp kalkuliert sind und die Kosten nach ein paar Jahren aus dem Ruder laufen."

Dem ist absolut zuzustimmen, denn hier wurde vielfach bei der Kalkulation der künftige Schadenverlauf zu optimistisch eingeschätzt. Die Folgen bekamen die Versicherten schmerzhaft zu spüren, wenn später nachgebessert werden musste. Und weil dann ja auch die Zuführung zu den Altersrückstellungen entsprechend erhöht wird, stiegen die Prämien pro Jahr in durchschnittlich zweistelligen Raten. 

Folgerichtig ist es also absolut ratsam, bei der Wahl des künftigen Partners auf bewährte Qualität zu setzen.

Beitragssprünge

Hier lautet der Vorwurf, dass es den meisten Anbietern nicht gelingt, ihre Beitragsanpassungen zu verstetigen, d.h. sie erhöhen teilweise recht stark, halten den Beitrag ein paar Jahre konstant und müssen dann wieder deutlich erhöhen. Klingt bedrohlich, muss es aber nicht unbedingt sein, denn hier liegt die Ursache auch teilweise im System, d.h. in den Vorschriften der Kalkulationsverordnung.

Grundsätzlich vergleicht jedes Unternehmen jährlich die kalkulierten mit den tatsächlich erforderlichen Versicherungsleistungen. Erst wenn sich hier eine dauerhafte Abweichung von 10% oder mehr ergibt, dürfen die Rechnungsgrundlagen überprüft werden und es kommt zu einer Beitragsanpassung. Alternativ können die Versicherer in ihren Bedingungen eine Überprüfung schon ab 5% vorsehen. Dies sind die so genannten "auslösenden Faktoren".

Wird also dieser Faktor nicht erreicht, kommt es zu keiner Beitragsüberprüfung. So kann der Anstieg der Versicherungsleistungen tatsächlich über mehrere Jahre unter 5% liegen und die Erhöhungen bleiben zwangsläufig aus. Erst wenn die Grenze schließlich überschritten wird, muss die Kalkulation angepasst werden.

Ein Beispiel

Zum 01.01.2016 bekam ein Kunde die Mitteilung seiner Privaten Krankenversicherung, dass sein monatlicher Beitrag von 390,- € auf 445,- € steigen wird. Also eine Erhöhung um 55,- € bzw. 14,1% auf einen Schlag. Hier liegt es daher durchaus nahe, von einem Beitragsschock zu sprechen.

Aber, bei einer Überprüfung des Vertragsverlaufs stellte sich heraus, dass die letzte Beitragserhöhung vom 01.01.2011 datierte. Und damit schaut die Sache schon ganz anders aus, denn der durchschnittliche Anstieg beträgt nun gerade mal moderate 2,2% pro Jahr.

Es muss also differenziert werden, ob eine vermeintliche "Beitragsexplosion" auf diesen Einmaleffekt zurückzuführen ist oder ob es sich um ein ständig wiederkehrendes Übel handelt.

Die Versicherer bedauern die gesunkene Wechselbereitschaft der Kunden

Dies ist nun eine zweischneidige Unterstellung, die aber nicht auf alle Anbieter zutrifft. Denn wie vertrauenswürdig ist wohl eine Gesellschaft, wo die Kunden scharenweise das Weite suchen?

Ein Versicherer, dessen primäres Ziel es ist, dass seine Bestandskunden zufrieden sind, muss also die Fluktuation so gering wie möglich halten. Denn dies ist ja ein positives Indiz dafür, dass den Versicherten unter anderem langfristig ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis geboten wird.

Aber es ist absolut richtig, dass abtrünnige Kunden ihre angesparten Altersrückstellungen ganz oder teilweise zurücklassen, die dann die Versicherung erbt. Halten wir uns aber vor Augen, dass es sich hier um einen Einmaleffekt handelt. 

Und stellen gleichzeitig die Frage, warum die Kunden ihrer Versicherung den Rücken kehren? Weil sie vielleicht die hohen Beitragsanpassungen nicht länger hinnehmen wollen?

Doch wer wandert in diesem Fall ab? Hier liegt ja wohl die Vermutung nahe, dass dies die Gesunden sind, die problemlos woanders unterkommen.

Welche Folgen hat das für den Versichertenbestand eines Tarifs? Der "durchschnittliche Gesundheitszustand" verschlechtert sich zwangsläufig! Was muss also hinsichtlich der künftigen Beitragsentwicklung befürchtet werden?

Ist ein Versicherer jedoch auf schnelles Wachstum erpicht, liegt die Versuchung durchaus nahe, bei der Beitragskalkulation künftig auf ein hohes Erbe zu spekulieren, d.h. eine hohe Stornowahrscheinlichkeit zugrunde zu legen. Denn dies bedeutet niedrigere Einstiegsbeiträge, was das billige Neugeschäft erheblich erleichtert.

Nur leider fiel die erhoffte Erbschaft häufig erheblich geringer aus als geplant, und somit mussten die Kunden in Form von kräftigen Beitragserhöhungen nachzahlen. Ein dauerhafter Vorteil ist damit also nicht zu erzielen. 

Und folgerichtig liegt eine weitere Schlussfolgerung auf der Hand: Wachstum allein ist noch kein Indiz für hohe Qualität!

Schlussfolgerung

Wir stimmen Frau Kunz zu: Trotz schwierigem Umfeld gelingt es einigen Versicherern, sich positiv abzusetzen. Somit kann für denjenigen, der die Möglichkeit hat, der Wechsel in eine private Krankenversicherung eine sehr attraktive Alternative sein. Entscheidend für die richtige Wahl ist jedoch nicht das aktuelle Preis-Leistungs-Verhältnis, sondern die Vertrauenswürdigkeit des künftigen Partners.

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