So stand es zu lesen im Berliner "TAGESSPIEGEL" am 02.03.2016.

Besonders betroffen ist dabei laut TAGESSPIEGEL der Tarif BM, hier liegt die durchschnittliche Beitragssteigerung bei sage und schreibe 29 Prozent, für die betroffenen Kunden zweifellos ein derber Schlag ins Kontor. Doch auch für das Unternehmen DKV selbst ist dies eine höchst missliche Situation, denn der BM ist im Neukundengeschäft der aktuelle Verkaufsschlager, der in den einschlägigen Vergleichstests der letzten Jahre überwiegend gute bis sehr gute Bewertungen erzielen konnte.

Als Hauptgrund für diesen Beitragsschock führt DKV-Sprecherin Sybille Schneider eine deutliche Zunahme der erbrachten Leistungen an, besonders der Anteil der Hochkostenfälle habe sich vervielfacht. Auf den Punkt gebracht: Es hat im Tarif BM wohl erheblich mehr Schadenfälle gegeben, als die Gesellschaft kalkuliert hat. 

Junge Tarife sind mit einer gewissen Vorsicht zu genießen!

Grund genug für uns, ein wenig gedankliche Ursachenforschung zu betreiben, wie es möglicherweise dazu kommen konnte.

  • Der BM ist noch ein recht junger Tarif, der in 2008 aufgelegt wurde, um die Gewinnung neuer Kunden zu erleichtern, weil die Beiträge der Alttarife aufgrund der hohen Anpassungen im Wettbewerb einen schweren Stand hatten.
  • Im Gegensatz dazu bot der BM den Neuankömmlingen ein sehr attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis.
  • Wissenswert ist jetzt aus Ihrer Kundenperspektive folgende Tatsache: Bei der Kalkulation der Tarifbeiträge hat eine Private Krankenversicherung gewisse Ermessensspielräume, so unter anderem bei der Abschätzung der künftigen Schadensentwicklung.
  • Hier ist sehr verlockend, einen optimitischen Ansatz zu wählen, denn dies bedeutet, dass die Einstiegsbeiträge in dem neuen Tarif anfangs niederiger ausfallen.
  • Die Kehrseite der Medaille ist jedoch, dass dann irgendwann nachgebessert werden muss, dementsprechend fallen die notwendigen Beitragsanpassungen höher aus.

Wir haben daher das ungute Gefühl, dass die DKV mit genau diesem Problem zu kämpfen hat.

Denn es erscheint logisch, dass ein junger Tarif in den ersten Jahren einen günstigen Schadenverlauf aufweist, weil das Kollektiv überwiegend aus gesunden Neukunden besteht.

Doch aus Neukunden werden Bestandskunden, die werden älter und damit nicht gesünder, die Zahl der Leistungsfälle nimmt zwangsläufig zu. Aber das ist nur ein Aspekt!

Besonders brenzlig kann es nämlich werden, wenn Kunden aus den geschlossenen und überteuerten Alttarifen vermehrt von ihrem Recht auf Tarifwechsel Gebrauch machen, um ihren monatlichen Beitrag zu optimieren. Denn jetzt muss der junge Tarif Leistungsfälle verkraften, die in der Kalkulation so gar nicht vorgesehen waren, entsprechend gravierend können die Auswirkungen für die Beitragsentwicklung sein.

Und die Versicherung ist dagegen völlig machtlos, denn sie darf Kraft Gesetz den Wechsel zum einen nicht verweigern und zum anderen auch keine erneute Gesundheitsprüfung vornehmen, außer für eventuelle Mehrleistungen.

Wie können Sie bei Ihrer Entscheidung für einen Anbieter dieses Risiko minimieren?

  • Bleiben Sie kritisch, was Testsieger betrifft! Denn Vergleichstests, die sich bei Ihren Bewertungen vor allem auf das aktuelle Preis-Leistungs-Verhältnis stützen, bieten Ihnen hinsichtlich der langfristigen Perspektive nicht unbedingt die beste Orientierung. Denn der Sieger von heute kann sehr schnell der Verlierer von morgen sein.
  • Hinterfragen Sie vielmehr die Tarifpolitik des Unternehmens!

Und was sagt die Politik?

Nach längerer Zurückhaltung nutzen einige politische Mandatsträger die Gelegenheit, sich kräftig zu empören. Denn wie wir ja alle wissen, stehen uns 2017 die Neuwahlen zum Bundestag ins Haus.

So kommt der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zu dem Schluss, dass die PKV nur noch für Beamte gut bezahlbar sei. Was aber auch nur daran liegt, dass der Steuerzahler über die Beihilfe der PKV finanziell unter die Arme greift. Will er mit dieser Aussage eine mögliche Bevorzugung suggerieren? Wir wissen es nicht.

Doch der Vollständigkeit halber weisen wir darauf hin, dass auch die gesetzlichen Krankenkassen jährlich einen recht üppigen Zuschuss aus Steuermitteln bekommen. Dies kann jeder Interessierte auf der Website des Bundesgesundheitsministeriums nachlesen.

Für das Jahr 2016 beläuft er sich übrigens auf 14 Milliarden Euro, von Peanuts kann also keine Rede sein.

Hilde Mattheis, ihres Zeichens die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, treibt die Empörung im Handelsblatt vom 03.03.2016 weiter auf die Spitze und holt zum pauschalen Rundumschlag aus.

Das Geschäftsmodell der PKV sei für die Zukunft nicht tragfähig, eine Entwicklung, welche die SPD schon lange vorausgesehen hat und deshalb plädiert sie dafür, dass nun endlich die Bürgerversicherung eingeführt wird.

Gut, Frau Mattheis ignoriert geflissentlich die Tatsache, dass bei der Privaten Krankenversicherung jedes Unternehmen für sich alleine kämpft und das es Anbieter gibt, die trotz der schwerer gewordenen Marktbedingungen hervorragend behaupten. Also drängt sich in unseren Augen der Verdacht auf, dass wohl nicht das Geschäftsmodell als solches das Problem ist, sondern einzelne Anbieter von den Fehlern eingeholt werden, die sie in der Vergangenheit gemacht haben.

Und vergessen wir nicht, dass die Politik durch die Aufblähung der Geldmenge im Zuge der Banken- und Eurorettung eine gehörige Mitverantwortung dafür trägt, dass die Versicherer das Geld Ihrer Kunden zu Niedrigzinsen anlegen müssen.

Wesentlich differenzierter äußert sich da der Patientenbeauftragte der Bundesregierung Karl-Josef Laumann (CDU). 

Er bezeichnet die Bürgerversicherung als Fata Morgana und weist auf den Umstand hin, dass die Leistungen in der PKV nun mal nicht für alle gleich, weil frei wählbar sind und ein höherer Leistungsumfang oftmals auch zu höheren Beiträgen führt. Außerdem sei kein Versicherter den Prämienerhöhungen hilflos ausgeliefert, sondern es ist gesetzlich sichergestellt, dass er jederzeit in einen günstigeren Tarif seiner Krankenversicherung wechseln kann.

Last not least erteilt Herr Laumann noch einen durchaus klugen Rat: "Wer zu einer Privaten Krankenversicherung wecheln will, sollte sich daher intensiv mit der jeweiligen Kasse, den Tarifkalkulationen und den Altersrückstellungen beschäftigen."

Schlussfolgerung

Für denjenigen, der die Möglichkeit hat, kann also ein Wechsel in eine Private Krankenversicherung eine attraktive Alternative sein.

Wer sich bei seiner Wahl allerdings nur auf einen günstigen Einstieg fokussiert bzw. sich an den aktuellen Testsiegern orientiert, begibt sich nach unserer Einschätzung in Gefahr. 

Denn Neukunde sind Sie nur einen kurzen Augenblick, Bestandskunde jedoch für viele Jahre. Es ist ganz wichtig, dass Sie sich diese Tatsache bei Ihrer Entscheidungsfindung stets vor Augen halten.

Hier geht es zur Übersicht und hier erfahren Sie mehr über uns.

Und hier können Sie Kontakt mit uns aufnehmen. 

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