Der Verband der Privaten Krankenversicherung meldet für das Jahr 2015 einen Rückgang von 47.100 Personen im Bereich der Krankenversicherung. Was sich zunächst viel anhört, bedeutet bei nach wie vor 8,79 Millionen Versicherten einen überschaubaren Verlust von gerade mal 0,5%. Also ganz im Sinne von Einstein alles relativ.

 

Von einer Flucht aus der Privaten Krankenversicherung zu sprechen, scheint uns daher doch ein wenig überzogen, daran ändert auch die Überschrift im Handelsblatt vom 06.04.2016 nichts. Da könnten wir glatt zu dem Schluss kommen, dass die PKV in Kürze zu Grabe getragen werden muss.

Aber nichts wird bekanntlich so heiß gegessen wie es gekocht wird, und insofern erscheint es uns wenig logisch, dass ein über viele Jahre gewachsenes System Gefahr läuft zu kollabieren, nur weil die Anzahl seiner Mitglieder leicht rückläufig ist.

Also machen wir es jetzt wie der liebenswerte Professor Bömmel aus der Feuerzangenbowle. Mer stelle uns einfach mal janz dumm un fraare: Wem nützt denn dat janze Jerede?

Oh, da fallen uns spontan so einige ein: Der Journaille, die Schlagzeilen produzieren muss; natürlich den gesetzlichen Krankenkassen; die Befürworter der Bürgerversicherung erhalten Wasser auf ihre Mühlen und vergessen wir nicht die Gutmenschen, für die die PKV ein Werk des Teufels ist.

Ergo stellen wir noch eine weitere Frage: Wird hier mal wieder mit Kanonen auf Spatzen geschossen, um mit einem Rundumschlag die PKV als Ganzes zu diskreditieren? Fast scheint es so, denn schon ein paar ganz einfache Überlegungen rücken die Angelegenheit in ein etwas anderes Licht.

  1. Halten wir uns vor allem eine Tatsache vor Augen: Nicht alle Privaten Krankenversicherungen, sondern nur ein Teil der Anbieter verzeichnet mehr Abgänge als Zugänge! Ein Umstand, auf den wir bereits in einem früheren Beitrag hingewiesen haben
  2. Ist das für die betroffenen Unternehmen eine Katastrophe? Müssen ihre Bestandskunden jetzt eine Beitragsexplosion befürchten? Wir finden, dass dies eine reichlich abenteuerliche Schlussfolgerung wäre.
  3. Denn nehmen wir einmal an, ein Unternehmen zählt 100.000 Versicherte und muss einen Rückgang von 0,5% verkraften. Es bleiben also noch 99.500 Personen übrig.
  4. Stehen die Versicherung bzw. die Kunden jetzt schlechter da? Diese Frage lässt anhand dieser Tatsache nicht beantworten.
  5. Denn bei einer Krankenversicherung zählt weniger die Quantität, sondern langfristig vor allem die Qualität, d.h. der "durchschnittliche Gesundheitszustand" des Kundenbestands.
  6. Vor diesem Hintergrund wäre also eine Art Gesundschrumpfung durchaus denkbar. Nämlich dann, wenn es sich bei den Abgängen um Kunden handelt, die aufgrund ihrer Erkrankungen hohe Kosten verursacht haben und somit dem Unternehmen nicht länger auf der Tasche liegen.
  7. Folgerichtig dürfte sich eine solche Qualitätsverbesserung eher günstig auf die künftige Beitragsentwicklung auswirken.
  8. Ein weiterer Faktor, der sich positiv auswirken kann: Selbständige, die aufgrund von Nichtzahlung der Beiträge in den Notlagentarif überführt werden mussten, bekommen eine Anstellung als Arbeitnehmer und sind verpflichtet, sich in einer gesetzlichen Krankenkasse zu versichern.

Halten wir also fest: Genauso wie hohes Wachstum allein kein Qualitätsmerkmal darstellt, muss sich also umgekehrt ein Rückgang der Versichertenzahl nicht zwangsläufig negativ auswirken.

Problematisch kann es zweifellos dann werden, wenn bei einem Unternehmen gesunde Kunden aufgrund der hohen Beitragsanpassungen in großer Zahl das Weite suchen und dieser Verlust nicht kompensiert werden kann. Denn hält eine solche Entwicklung über einen längeren Zeitraum an, wächst die Gefahr, dass es auch weiterhin zu kräftigen Beitragssteigerungen kommt.

Aber auch in so einem Fall gibt es einen Lichtblick: Die Abtrünnigen lassen ja ihre angesparten Altersrückstellungen ganz bzw. teilweise zurück, die nun den zurückbleibenden Kunden zu Gute kommen.

Wie können Sie nun diese Erkenntnisse für Ihre Entscheidung nutzen?

  • Wenn ein Unternehmen über viele Jahre negatives Wachstum verzeichnet, sehen wir dies auf jeden Fall kritisch.
  • Fokussieren Sie sich nicht auf Größe und Wachstum einer Privaten Krankenversicherung, denn diese Punkte sollten in unseren Augen nur Teil einer ganzheitlichen Betrachtung sein.
  • Achten sollten Sie vielmehr auf die Tarifpolitik. Kleinere Anbieter, die hier auf Kontinuität gesetzt haben, sind mit dieser Strategie durchaus gut gefahren. Vor allem deshalb, weil sie nicht dem Wachstumswahn verfallen sind, sondern ihre Geschäftspolitik hauptsächlich nach den Interessen ihrer Bestandskunden ausrichten.

 

Schlussfolgerung

Für denjenigen, der die Möglichkeit hat, kann also ein Wechsel in eine Private Krankenversicherung eine attraktive Alternative sein.

Wer sich bei seiner Wahl allerdings nur auf einen günstigen Einstieg fokussiert bzw. sich an den aktuellen Testsiegern orientiert, begibt sich nach unserer Einschätzung in Gefahr. 

Denn Neukunde sind Sie nur einen kurzen Augenblick, Bestandskunde jedoch für viele Jahre. Es ist ganz wichtig, dass Sie sich diese Tatsache bei Ihrer Entscheidungsfindung stets vor Augen halten.

Bei Rückfragen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Hier geht es zur Übersicht und hier erfahren Sie mehr über uns.

 

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